Laudatio von Dr. Ladislaus Sedlak

Es ist mir eine große Freude, unseren lieben Freund, MR Dr. Jenö Molnar anläßlich der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft unserer Vereinigung die Laudatio halten zu dürfen.

MR Dr. Molnar ist am 14. Oktober 1937 in der Stadt Békés im Herzen der ungarischen Tiefebene als Sohn des Vizegespanns Dr. Jenö Molnár geboren. Der Geburtsort und das hohe politische Amt seines Vaters – entspricht etwa dem eines Landeshauptmann-Stellvertreters – sollte noch für unseren Freund Jenö in mehrfacher Hinsicht eine große Bedeutung erlangen. Der Umstand, dass seine Geburtsstadt und Komitat in der ungarischen Geschichte als einer der ersten der urkundlich dokumentierten königlichen Komitate nach der Staatsgründung war, erfüllte den jungen Jenö mit stolzem Bewusstsein und förderte seine glühende Heimatliebe.

Das Verhängnis für Ungarn wie für die Familie Molnár brach mit der Machtübernahme der kommunistischen Partei stalinistischer Prägung in den Nachkriegsjahren des zweiten Weltkrieges ein. Durch das hohe politische Amt des Vaters im königlichen Ungarn galt die Familie nunmehr als Klassenfeind erster Ordnung. Aus diesem Grund wurden sie von ihrer geliebten Heimat nach Nordungarn verbannt. Trotz schwierigster Umstände gelang es dem jungen Jenö – er war schon immer ein besonders heller Kopf – in der Stadt Nyiregyháza die Matura mit Auszeichnung abzulegen.

Als guter aktiver Sportler begann er nach der Matura 1955 ein Studium an der Budapester Sporthochschule, die er bis zum Beginn des heldenhaften Aufstandes des ungarischen Volkes im Oktober 1956 besuchte. An diesem Freiheitskampf gegen eine waffenstrotzende übermacht nahm er aktiv in einer Studentenkompanie teil. Er kämpfte in einer Brigade – Deckname „Szénatér“, die durch besondere Tapferkeit und Heldenmut auffiel und in den Annalen des Volksaufstandes – über die Revolution erschienen zahlreiche Bücher auch von US-Autoren – einen Ehrenplatz einnahm! In der jüngeren ungarischen Geschichte erwarb der Aufstand einen hohen Stellenwert und Bedeutung. So wird der Tag des Ausbruches am 23. Oktober als Nationalfeiertag gefeiert. Europa und die Welt bewunderten zwar den Heldenmut der Aufständischen, es blieb aber nur bei der moralischen Anerkennung, denn die erwartete Hilfe und Beistand blieben aus. Der Freiheitskampf konnte erst nach Heranziehung riesiger Verstärkungen aus den kommunistischen Nachbarländern und der Sowjetunion – etwa 5000 Panzer – blutig niedergeschlagen werden. Die Rache war furchtbar: Massenhinrichtungen, Verbannung in Zwangsarbeitslager, usw. Jenö gelang es Gott sei Dank, in den Untergrund zu tauchen und nach österreich zu flüchten und so einem grauenvollen Schicksal zu entrinnen. Dies war schon die zweite Verbannung in seinem jungen Leben. Aber – darum erlaubte ich mir die Ausholung – er war ein echter Held des Ungarnaufstandes 1956.

1957 inskribierte er an der Medizinischen Fakultät der Universität Graz. Um seinen Lebensunterhalt und die Voraussetzungen für sein Studium zu sichern, arbeitete er als Werkstudent in Fabriken und verschiedenen Firmen, oft auch als Nachtarbeiter. Nach erfolgreichem Abschluß des ersten Rigorosums wurde er Demonstrator am Anatomischen Institut bei Prof. Hafferl, auch wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Pharmakologie bei Prof. Häussler.

Nun ging es stets aufwärts, er erhielt ein Rockefeller-Stipendium, wurde österreichischer Staatsbürger und schloss das Medizinstudium 1964 mit der Promotion ab. Die Stationen der nun folgenden Turnusarztausbildung waren Wolfsberg, Güssing und Bad Ischl. Ab 1965 Facharztausbildung an den urologischen und chirurgischen Abteilungen. Unterbrechung der Ausbildung 1967 durch den Präsenzdienst in Klagenfurt und Graz. Nach Ablegung der Offiziersprüfung wird er Oberleutnant der Reserve. 1968 folgt ein weiteres Ausbildungsjahr bei Prof. Dr. Köle an der 2. Chirurgischen Abteilung. 1969 trat er zur Facharztausbildung an der Univ.-Hautklinik, noch unter Prof. Anton Musger, ein. Bei Prof. Hans Kresbach erlangte er 1974 den Facharzttitel für Dermatologie und Venerologie. 1975 wurde er Oberarzt der Klinik, publizierte wissenschaftliche Arbeiten über die Combustio, deren Therapie und Rehabilitation, hatte Studienaufenthalte in England (London und Birmingham).

Im Jahre 1979 eröffnete er seine Praxis in Graz, wo er noch bis dato mit großem Erfolg tätig ist. Der Umgang mit seinen Patienten war und ist geprägt vom großen Fachwissen, Geduld, Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit. Uns allen wohl bekannt ist seine diagnostische Treffsicherheit. Wenn im Rahmen von wissenschaftlichen Sitzungen und Seminaren sogenannte diagnostische Problemfälle vorgestellt wurden, konnte man sicher sein, dass Jenö bei diesen Ratespielen meistens einen Volltreffer landete.

Seit 1970 ist er Mitglied unserer wissenschaftlichen Vereinigung und wurde 1984 in deren Vorstand gewählt. Er kam mit großem Engagement seinen Aufgaben nach, da schlug einmal mehr das Temperament seiner ungarischen Wurzeln durch: geradlinig, kämpferisch in seiner Kritik, dazu aber immer konstruktiv und kreativ in seinen Ratschlägen. So brachte er immer Schwung in die Sitzungen und erwies sich bis heute als ein großer Gewinn für unsere Vereinigung. Im Jahre 2000 wurde ihm der Titel Medizinalrat verliehen. Darüber hinaus gründete er vor 15 Jahren die Stiftung Forum Hungaricum mit dem Ziel, durch jährliche Vergabe von Stipendien junge tüchtige ungarische Kollegen zu fördern. Von dieser seiner Stiftung bekam letztes Jahr der an unserer Hautklinik als Gastarzt arbeitende Kollege ein Stipendium.

Jenö ist ein vielseitiger musischer und kulturinteressierter Mensch und organisiert immer wieder in Graz Konzerte. Er liebt die bildende Kunst und Literatur.

Seit seinen Jugendjahren ist er ein begeisterter aktiver Sportler, wurde mehrfacher Steirischer und österreichischer ärztestaatsmeister in der Ski- und Tennissektion und einmal sogar ärzteweltmeister im Tennisdoppel mit dem Dermatologen Prof. Gebhart.

Im Rahmen von geselligen Beisammensein erfreut er die Freunde und Kollegen durch eine heitere Ausstrahlung, gewürzt von seinem unverwechselbaren und liebenswerten ungarischen Akzent. In der Familie konnte er vor kurzem mit seinem Sohn den erfolgreichen Abschluss des Jusstudiums feiern.

Ich darf Dir, lieber Jenö, den Dank unserer Vereinigung für Deine Treue und wertvolle Mitarbeit aussprechen, der mit der überreichung der Urkunde der Ehrenmitgliedschaft zum Ausdruck gebracht wird.

Herzlichen Glückwunsch und noch auf gut ungarisch:

SOK SZERENCSÉT, ERÖT ÉS EGÉSZSEGET KIVÁNUNK !

(Originaltext von Dr. Ladislaus Sedlak am 18.10.2002)